Bei der Segelbekleidung gibt es zwei entscheidende Faktoren, der Entwurf der Kleidung und das Material. Das Material stellt mehr als fünfzig Prozent der Kosten dar und wenn es versagt, dann versagt die Kleidung. Mag die Kleidung noch so gut aussehen, sie wird nicht viel helfen, wenn Sie gegen Sturm aus Nordwest und durchdringende Nässe ankämpfen. Deshalb nehmen wir bei Gill das Material sehr ernst.

Warum ist das Gewebe so wichtig?

2002 entschieden wir uns, nicht mehr hochgelobte Markengewebe zu verwenden. Nicht nur, dass sie eine erhebliche Kostensteigerung bedeuteten, sie schränkten auch unsere Auswahlmöglichkeit der Materialien ein, die wir benutzen konnten.

Die meisten wasserdichten Markengewebe wurden ursprünglich für die größere Outdoor-Bekleidungsindustrie entwickelt, sodass Materialien speziell für Segelbekleidung nur eingeschränkt zur Verfügung standen. Wir wollten aber die Fähigkeit besitzen, Gewebe speziell an die Bedingungen auf See anzupassen. Wenn Sie wandern und es regnet, dann werden Sie von oben nass. Segeln Sie aber, dann kommt das Wasser aus allen Richtungen. Gischt und Wellen kommen über den Bug, Sie sitzen im Wasser, und es könnte auch noch regnen. Aber auch das Wasser selbst, - meist ist es Salzwasser. Salzwassermoleküle haben eine größere Oberfläche als Süßwassermoleküle und zusätzlich ist es agressiv. Standardmaterialien sind bei weitem nicht so gut geeignet, wie speziell adaptierte Gewebe.

Indem wir mit verschiedenen Gewebelieferanten und Herstellern von Überzügen zusammenarbeiten, können wir die Materialeigenschaften an unsere hohen Anforderungen anpassen. Wenn die Wasserdichtigkeit nach dem künstlichen Altern nicht hoch genug ist, haben wir die Möglichkeit, einen weiteren Überzug vorzusehen. Und sollte die Abriebfestigkeit an der Außenschicht nicht ausreichend sein, können wir das auch verbessern.

Wie haben die Gewebe sich geändert

In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Gewebe enorm verändert. Ich meine damit nicht nur die Wasserdichtigkeit, sondern auch spezifisches Gewicht, Struktur und Oberfläche. Vom früheren neoprenbezogenen PVC, das steif und schwer war, sind wir heute zu leichten Materialien in Webtechnologie mit der neuesten Membranausstattung gelangt.

Vom früheren neoprenbezogenen PVC, das steif und schwer war, sind wir heute zu leichten Materialien in Webtechnologie mit der neuesten Membranausstattung gelangt.

Gewebearten

Heutzutage sind alle Gewebe atmungsaktiv, deshalb geht die Auswahl eher danach, wie das Gewebe benutzt werden kann und wie es sich anfühlt. Und das ist entscheidend vom spezifischen Gewicht und von der Dichte des Gewebes abhängig und von der Art, wie der Überzug hergestellt wird.

Wir sprechen bei Schlechtwetterausrüstung heute noch vielfach von "Ölzeug". Wie der Name schon andeutet, waren es Materialien aus Segetuch, die mit Fisch- oder Leinöl eingerieben wurden, um sie wasserdicht zu machen, und die von Fischern und Seglern gleichermaßen benutzt wurden. Während die Herstellungsprozesse sich im Laufe der Jahre erheblich verbessert haben, ist es nach wie vor ein Verfahren, Polyurethan auf dem Gewebe zu verteilen. Heute macht das auf der Gewebeinnenseite, damit die Schicht vor Beschädigung geschützt wird. Was das Wasser abperlen lässt, ist ein unsichtbarer, aber haltbarer Bezug, meist Teflon®. Dieser dient primär nicht dazu, das Gewebe wasserdicht zu machen, sondern er verhindert, dass das Gewebe Wasser aufsaugt. Das würde das Gewicht erhöhen und die Atmungsaktivität reduzieren.

Überzüge.

Überzüge sind ein mehr traditionelles Verfahren. Ein Polyurethan-Kunstharz wird auf das Gewebe verteilt, fast so, wie man Butter auf Toast verteilt. Es soll die Unebenheiten des Gewebes ausfüllen und es abdichten, und es soll eine glatte Fläche erzeugen. Danach wird das Gewebe in eine Teflon® Lösung getaucht um es wasserabweisend zu machen.

Laminate.

Laminate sind eine spätere Entwicklung. Ein laminiertes wasserdichtes Gewebe wird hergestellt, indem das Überzugharz auf eine lange Bahn nicht absorbierendes Papier gerollt wird. Durch dieses Verfahren kann die Dicke des Überzuges sehr fein eingestellt werden. Das Papier mit dem Überzug wird dann auf das Textilgewebe auflaminiert und das Papier wird danach abgezogen. Das Resultat ist dann ein Gewebe, das bei gleicher Wasserdichtigkeit leichter ist. Außerdem ist es flexibler, weicher und angenehmer zu tragen.

Zwei oder drei Lagen

Wasserdichte Gewebe werden in zwei Kategorien eingeteilt.

Zwei-Lagen-Gewebe

Zwei-Lagen-Gewebe ist ein gewebtes Material mit einer laminierten oder überzogenen Innenschicht. Meist wird noch ein Futter verwendet. Dieses schützt den Überzug und ist auch angenehmer zu tragen, da sich das ungefütterte Gewebe sich glatt und kalt anfühlt. Der Vorteil von Zwei-Lagen-Gewebe ist dass sie leichter sind und in der Herstellung billiger sind. Einsatzbereiche wären Inshore/ Coastal Segeln sowie Dinghy Segeln.

Drei-Lagen-Gewebe

Drei-Lagen-Gewebe verwenden Zweilagen-Material und Laminate und fügen ein leichtes Netzgewebe an die Innenseite, um es vor Beschädigung zu schützen. Natürlich wird das Gewebe dadurch etwas schwerer, aber man kann andererseits auf das Futter verzichten. Es ist ja eine falsche Einstellung, dass Gewebe mit separatem Futter besser sei, aber das Futter kann die Atmungsaktivität reduzieren, zusätzliches Gewicht bedeuten, und eine zusätzliche Lage darstellen, in der man sich verfangen kann. Andererseits ist Dreilagengewebe in der Produktion erheblich teurer. Auch ist die Geschwindigkeit, mit der die Nähte abgeklebt werden langsamer und die Klebestreifen sind auch teurer.

Gill Gewebe Sytem

Wenn es um wasserdichte und atmungsaktive Gewebe geht, wird man durch die zahllosen technisch klingenden Namen und durch die anhängenden Etiketten verwirrt, die alle vorgeben, das beste zu sein. Wir bei Gill wollen kein Markengewebe verwenden, da diese nur die Kosten der Kleidungsstücke erhöhen, und außerdem auch noch unsere Wahlfreiheit einschränken, sowohl was die Qualität als auch Verwendbarkeit der Materialien angeht.

Wir suchen weltweit die besten Gewebe für eine Anwendung und testenes bis zur Zerstörung. Wenn ein Gewebe einen zusätzlichen Überzug benötigt, um z.B. im südlichen Ozean nestehen zu können, dann erhält er einen. Unsere Prüfungen werden in unserem Labor durchgeführt Sie werden dann unabhängig bestätigt. Wir prüfen die Gewebe nicht nur wenn sie neu sind, sondern auch nach künstlicher Alterung, dadurch simulieren wir etliche Jahre aktiver Benutzung. Schließlich kommt das Gewebe in den Feldtest. Es ist immer irgend ein Produkt im südlichen Ozean im Test.

Wenn die Prüfungen abgeschlossen sind, wird das Gewebe entsprechend dem Verwendungszweck in unser Gewebe System eingestuft.Diese Tests werden nicht nur einmalig durchgeführt, sondern werden bei jeder Produktionsserie wiederholt. Diese Beachtung der Details stellt sicher, dass Gill Gewebe mindestens ebenso gut, wenn nicht besser sind, als was heute auf dem Markt erhältlich ist, und sichert damit, dass die Qualität unserer Produkte auf höchstem Niveau verbleibt.